Versicherungsschutz bei falschen Reifen: Wenn die Kasko die Leistung kürzt

Zuletzt aktualisiert am 11.08.2026

Ein Unfall auf vereister Straße im Januar, ein Totalschaden am eigenen Fahrzeug, zwanzigtausend Euro Schaden – und dann der Brief von der Versicherung: „Aufgrund der nicht wintertauglichen Bereifung wird die Leistung gemäß § 81 Absatz 2 VVG gekürzt.“ Was folgt, ist oft ein Schock. Während das Bußgeld für falsche Bereifung bei überschaubaren 60 bis 120 Euro liegt, können die versicherungsrechtlichen Folgen eines Unfalls mit falschen Reifen in die Tausende oder sogar Zehntausende gehen. Die Versicherung ist dabei nicht verpflichtet zu zahlen, wenn sie dem Fahrer grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann – und genau das tun Kaskoversicherer in der Praxis regelmäßig, wenn unpassende oder abgefahrene Reifen kausal zum Schaden beigetragen haben.

Dieser Ratgeber erklärt, wie Haftpflicht- und Kaskoversicherung bei falschen Reifen reagieren, wo die rechtliche Grenze zur groben Fahrlässigkeit verläuft, welche konkreten Urteile deutsche Gerichte in vergleichbaren Fällen gefällt haben und welche Klausel in Ihrem Vertrag den Unterschied zwischen voller Entschädigung und Nullregulierung ausmachen kann. Das Thema ist unangenehm, aber die Kosten, die sich durch Wissen vermeiden lassen, rechtfertigen jede Minute, die Sie in die Lektüre investieren.

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Die drei Versicherungsarten und ihre Rolle

Um die Konsequenzen falscher Bereifung zu verstehen, müssen zunächst die drei relevanten Versicherungsarten und ihre unterschiedliche Funktion klar sein.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und deckt Schäden ab, die Sie anderen Verkehrsteilnehmern zufügen. Sie ist kein Schutz für Ihr eigenes Fahrzeug, sondern Pflichtversicherung zum Schutz der Allgemeinheit. Geregelt ist sie unter anderem im Pflichtversicherungsgesetz und in der Kraftfahrzeug-Pflichtversicherungsverordnung.

Die Teilkaskoversicherung ist freiwillig und deckt bestimmte Schäden am eigenen Fahrzeug ab – klassisch Glasbruch, Diebstahl, Wildunfälle, Brand, Sturm, Hagel und Blitzschlag. Nicht abgedeckt sind selbstverschuldete Unfälle.

Die Vollkaskoversicherung umfasst alle Leistungen der Teilkasko und zusätzlich selbstverschuldete Unfälle sowie Vandalismus. Sie ist die einzige Versicherungsform, die den eigenen Wagen bei einem Unfall absichert, den der Versicherungsnehmer selbst verursacht hat.

Das Entscheidende: Die drei Versicherungen reagieren auf grob fahrlässiges Verhalten des Fahrers völlig unterschiedlich. Die Haftpflicht zahlt auch bei grober Fahrlässigkeit an den Geschädigten, kann den Schaden anschließend aber per Regress vom Verursacher zurückverlangen. Die Kasko kann ihre Leistung kürzen oder ganz verweigern. Wer die Unterschiede nicht kennt, trifft im Ernstfall schlechte Entscheidungen.

Was bedeutet grobe Fahrlässigkeit?

Der Begriff ist das Herzstück der gesamten Diskussion. Der Bundesgerichtshof hat in ständiger Rechtsprechung definiert, was grobe Fahrlässigkeit juristisch bedeutet: Jemand handelt grob fahrlässig, wenn er die übliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maß verletzt und sich nicht so verhält, wie es jedem als selbstverständlich einleuchten müsste. Gemeint ist ein unentschuldbares Fehlverhalten, ein Fehler, den man spontan mit „Wie kann man nur!“ kommentieren würde. Die Formulierung stammt aus dem Urteil des BGH, Az. IV ZR 173/01, und ist seitdem ständiger Bezugspunkt der Rechtsprechung.

Grobe Fahrlässigkeit setzt also nicht Vorsatz voraus – der Fahrer muss den Schaden nicht wollen. Aber er muss eine Sorgfaltspflicht in einer Weise verletzt haben, die jedem vernünftigen Menschen sofort als unverantwortlich einleuchten würde. In Bezug auf die Reifenbereifung bedeutet das: Wer bei offensichtlich winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs ist, wer mit drastisch unterschrittener Profiltiefe fährt oder wer Reifen mit klar falschem Geschwindigkeitsindex montiert hat, handelt nach der herrschenden Rechtsprechung grob fahrlässig.

Ein Detail, das viele Autofahrer unterschätzt: Grobe Fahrlässigkeit kann auch vorliegen, wenn keine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Das Landgericht Itzehoe hat in einem viel zitierten Urteil entschieden, dass ein Fahrer, der im Regen auf der Autobahn mit Tempo 130 unterwegs war und dabei einen Unfall verursachte, grob fahrlässig handelte – obwohl die Reifen die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern nicht unterschritten und auch keine Geschwindigkeitsbegrenzung galt. Das Gericht wertete die Kombination aus abgefahrenen, aber noch legalen Reifen und hoher Geschwindigkeit bei Regen als kapitalen Fehler im Sinne der Definition des BGH.

Dieses Urteil verdeutlicht ein zentrales Prinzip: Die Einhaltung der gesetzlichen Minimalanforderungen schützt nicht automatisch vor dem Vorwurf grober Fahrlässigkeit. Versicherer und Gerichte beurteilen das Gesamtbild – Reifenzustand, Straßenverhältnisse, Geschwindigkeit, Witterung, Fahrverhalten. Wer sich auf „die Reifen hatten noch 1,7 Millimeter Profil, also war alles in Ordnung“ beruft, kann im Einzelfall trotzdem verlieren.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung bei falschen Reifen

Die Haftpflicht zahlt dem Unfallgegner auch dann, wenn Sie grob fahrlässig gehandelt haben. Das ist der gesetzliche Sinn der Pflichtversicherung: Sie soll die Allgemeinheit davor schützen, dass Verkehrsteilnehmer durch die Schuld anderer unversichert dastehen. Ein Geschädigter bekommt sein Fahrzeug repariert, seinen Behandlungskosten erstattet und gegebenenfalls Schmerzensgeld zugesprochen, unabhängig davon, ob der Verursacher Sommerreifen im Januar fuhr oder nicht.

Für den Verursacher ist das allerdings kein Freifahrtschein. Der Haftpflichtversicherer kann nach einer Schadensregulierung Regressansprüche gegen den eigenen Versicherungsnehmer geltend machen – und das geschieht in der Praxis regelmäßig. Grundlage ist die Kraftfahrzeug-Pflichtversicherungsverordnung in Verbindung mit den Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung. Der Regressanspruch ist üblicherweise auf 5.000 Euro begrenzt, kann bei besonders schweren Fällen grober Fahrlässigkeit aber auch höher ausfallen. Das Oberlandesgericht Celle hat in einem Urteil (Az. 8 U 79/09) einer Versicherung 5.000 Euro Regress plus weitere 2.500 Euro wegen Unfallflucht zugesprochen, mit der Maßgabe, dass bei Personenschäden weitere 2.500 Euro möglich gewesen wären – in Summe also 10.000 Euro, die der Versicherungsnehmer aus eigener Tasche tragen musste.

Bei Unfällen mit falscher Bereifung argumentieren Haftpflichtversicherer häufig, dass der Versicherungsnehmer eine obliegende Sorgfaltspflicht verletzt hat: Die Pflicht, nur mit verkehrssicheren und zur Witterung passenden Reifen am Straßenverkehr teilzunehmen. Je eindeutiger diese Pflichtverletzung ist – etwa bei eindeutigen Schneebedingungen und Sommerreifen – desto höher die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Regresses.

Die Kaskoversicherung bei falschen Reifen

Deutlich folgenreicher als der Haftpflicht-Regress ist die Reaktion der Kaskoversicherung auf grob fahrlässiges Verhalten. Hier geht es um den Schaden am eigenen Fahrzeug, und genau hier entscheidet sich, ob der Versicherte den Totalschaden bezahlt bekommt oder ihn selbst tragen muss.

Bis 2008 galt in Deutschland das sogenannte Alles-oder-Nichts-Prinzip: Konnte die Kaskoversicherung grobe Fahrlässigkeit nachweisen, war sie vollständig von der Leistungspflicht befreit. Der Versicherte bekam keinen Cent. Mit der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) zum 1. Januar 2008 wurde dieses Prinzip abgeschafft und durch die sogenannte Quotelung ersetzt. Geregelt ist sie in § 81 Absatz 2 VVG: Die Versicherung darf ihre Leistung bei grober Fahrlässigkeit kürzen – in welchem Umfang, richtet sich nach der Schwere des Verschuldens im Einzelfall.

In der Praxis bedeutet das eine gleitende Skala. Geringe grobe Fahrlässigkeit kann zu einer Kürzung von 25 Prozent führen, mittlere zu 50 Prozent, schwere zu 75 Prozent. Bei besonders schwerwiegenden Fällen hat der Bundesgerichtshof eine Kürzung auf null bestätigt – also eine vollständige Leistungsverweigerung trotz Quotelungsprinzip. Entscheidend sind immer die konkreten Umstände, und genau hier spielt die Qualität der anwaltlichen Vertretung oft eine wesentliche Rolle.

Konkrete Beispiele aus der Rechtsprechung zeigen die Bandbreite. Ein Fahrer, der von der Sonne geblendet bei einer Rotlichtüberfahrung einen Unfall verursachte, musste nur 50 Prozent Leistungskürzung hinnehmen. Ein Autofahrer, der einen Rotlichtverstoß ohne mildernde Umstände beging, verlor den kompletten Kaskoschutz. Zwischen diesen Extremen liegt ein breites Spektrum, in dem Reifenverstöße typischerweise angesiedelt sind.

Wie hoch die Kürzung bei falschen Reifen ausfällt

Bei falscher Bereifung gibt es keine starre Tabelle, aber aus der Praxis lassen sich Richtwerte ableiten. Die Kürzung bewegt sich typischerweise zwischen 25 und 100 Prozent, abhängig vor allem von drei Faktoren: wie offensichtlich die winterlichen Verhältnisse waren, wie stark die Reifen vom Sollwert abwichen und wie klar die Kausalität zwischen Reifenzustand und Schaden belegt ist.

Ein Fahrer mit Sommerreifen bei eindeutigen Schneebedingungen auf der Autobahn muss mit einer Kürzung von 50 bis 100 Prozent rechnen. Ein Fahrer, dessen Winterreifen noch 2,5 Millimeter Restprofil aufweisen und bei nasser Fahrbahn einen Aquaplaning-Unfall hat, kann je nach Gericht mit 25 bis 50 Prozent Kürzung konfrontiert werden. Bei falschem Geschwindigkeitsindex in Kombination mit überhöhter Geschwindigkeit sind hohe Kürzungen bis zur vollständigen Leistungsfreiheit möglich.

Wichtig ist der Kausalitätsnachweis. Die Versicherung muss belegen können, dass die falsche Bereifung den Schaden verursacht oder wesentlich vergrößert hat. Wenn ein Fahrzeug bei völlig trockener Fahrbahn im Januar von einem anderen Wagen seitlich gerammt wird, spielen auch montierte Sommerreifen keine Rolle – sie sind für den Schaden nicht kausal. Anders sieht es aus, wenn der Fahrer auf nasser, kalter Fahrbahn ins Rutschen gerät und dabei ein stehendes Fahrzeug rammt: Hier wird die Versicherung argumentieren, dass Winterreifen den Bremsweg wesentlich verkürzt hätten und der Unfall vermeidbar gewesen wäre.

Die wichtigste Vertragsklausel: „Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit"

In den Allgemeinen Versicherungsbedingungen findet sich bei vielen modernen Kaskoverträgen eine Klausel, die bei genauerer Lektüre entscheidend sein kann. Sie lautet meist sinngemäß: „Wir verzichten auf den Einwand der grob fahrlässigen Herbeiführung des Schadens.“ Oder: „Wir verzichten auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit gemäß § 81 Absatz 2 VVG.“

Diese Klausel ist nicht in jedem Vertrag enthalten, aber zunehmend Standard in Premium-Tarifen und oft auch in günstigen Online-Tarifen verfügbar. Ihre Wirkung: Die Versicherung verpflichtet sich vertraglich, auch bei grob fahrlässigem Verhalten des Versicherungsnehmers die volle Leistung zu erbringen. Die Quotelung nach § 81 Absatz 2 VVG wird vertraglich außer Kraft gesetzt.

Stiftung Warentest hat in mehreren Analysen auf die Bedeutung dieser Klausel hingewiesen: Der Aufpreis liegt je nach Versicherer zwischen wenigen Euro und etwa 10 Prozent der Kaskoprämie, die Absicherung im Schadensfall kann aber mehrere Zehntausend Euro wert sein. Wer einen Neuwagen oder ein jüngeres Fahrzeug mit hohem Wert versichert, sollte die Klausel als nahezu unverzichtbar betrachten.

Zu beachten ist allerdings eine wichtige Einschränkung: Praktisch alle Versicherer schließen bestimmte Fälle grober Fahrlässigkeit explizit aus, selbst wenn die Verzichtsklausel vereinbart ist. Typische Ausnahmen sind Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und Diebstahl infolge eines liegengelassenen Schlüssels. Bei Reifenverstößen greift die Verzichtsklausel dagegen üblicherweise – prüfen Sie aber immer die konkreten Vertragsbedingungen.

Die Beweislast: Wer muss was nachweisen?

Für den Versicherungsnehmer ist es juristisch zentral, wer die grobe Fahrlässigkeit beweisen muss. Die Grundregel: Die Versicherung trägt die Beweislast für das Vorliegen grober Fahrlässigkeit. Das ergibt sich aus § 28 Absatz 2 VVG und der ständigen Rechtsprechung. Sie muss also belegen, dass der Versicherungsnehmer seine Sorgfaltspflicht in ungewöhnlich hohem Maß verletzt hat und dass dieses Verhalten kausal zum Schaden beigetragen hat.

In der Praxis ist diese Beweisführung bei falscher Bereifung nicht immer einfach. Die Versicherung muss nachweisen, dass erstens winterliche Straßenverhältnisse vorlagen, zweitens die Reifen ungeeignet waren und drittens ein Kausalzusammenhang zwischen Reifenzustand und Unfall besteht. Gerade der Punkt der Kausalität ist oft angreifbar. Bei einem plötzlichen Kinderzugang von hinten, bei dem der Fahrer auch mit Winterreifen nicht rechtzeitig hätte bremsen können, fehlt die Kausalität – der Unfall wäre mit richtigen Reifen möglicherweise genauso passiert.

Für den Versicherungsnehmer ergibt sich daraus eine klare Strategie: Nach einem Unfall sollten alle Umstände möglichst genau dokumentiert werden. Fotos vom Unfallort, der Fahrbahn, der Reifen und der Umgebung können später entscheidend sein. Wetterberichte für den Unfalltag sollten gesichert werden, ebenso Zeugenaussagen, die den Hergang aus einer anderen Perspektive beleuchten. Wer vor Gericht argumentieren muss, braucht Belege – und diese lassen sich nachträglich oft nicht mehr beschaffen.

Typische Problemkonstellationen

Aus der Beratungspraxis lassen sich mehrere typische Konstellationen identifizieren, in denen Versicherungsprobleme wegen falscher Bereifung besonders häufig auftreten.

Der verspätete Herbstwechsel. Klassisches Szenario: Ende Oktober fährt ein Fahrer noch auf Sommerreifen, weil der Werkstatttermin erst in drei Wochen vereinbart ist. Ein plötzlicher Kaltlufteinbruch bringt über Nacht Reifglätte. Der Fahrer verliert auf dem Weg zur Arbeit die Kontrolle, verursacht einen Auffahrunfall. Die Versicherung prüft: Lagen winterliche Bedingungen vor? Ja. Waren die Reifen ungeeignet? Eindeutig. Wäre der Unfall mit Winterreifen vermeidbar gewesen? Höchstwahrscheinlich. Ergebnis: Leistungskürzung in der Vollkasko um typischerweise 50 bis 75 Prozent, Haftpflicht-Regress von bis zu 5.000 Euro.

Der verlängerte Sommerbetrieb. Umgekehrt: Ein Fahrer fährt Mitte April noch auf Winterreifen, bei Temperaturen von 25 Grad Celsius. Ein Ausweichmanöver auf trockener Autobahn führt zu einem Unfall, bei dem der zu lange Bremsweg der weichen Winterreifen eine Rolle spielt. Rechtlich ist das Fahren mit Winterreifen im Sommer nicht verboten, aber die Versicherung kann eine Teilhaftung argumentieren, wenn die weichen Reifen den Unfall mitverursacht haben. Diese Fälle sind juristisch komplexer und führen meist zu moderateren Kürzungen zwischen 10 und 30 Prozent.

Die zu geringe Profiltiefe. Ein Fahrer, dessen Winterreifen nur noch 2,5 Millimeter Restprofil aufweisen, gerät bei Schneematsch ins Rutschen und fährt frontal gegen einen Baum. Die Profiltiefe liegt zwar über dem gesetzlichen Minimum, aber unter der ADAC-Empfehlung von vier Millimetern. Die Versicherung argumentiert, dass der Unfall mit ausreichendem Profil vermeidbar gewesen wäre. Ergebnis: typischerweise 25 bis 50 Prozent Kürzung, je nach Gericht und konkreter Beweislage.

Der falsche Geschwindigkeitsindex. Ein Fahrer montiert gebraucht gekaufte Winterreifen mit zu niedrigem Geschwindigkeitsindex, vergisst den vorgeschriebenen Warnaufkleber im Cockpit und fährt auf der Autobahn 170 km/h. Bei einem Reifenplatzer verliert er die Kontrolle. Hier ist die Kausalität kaum zu bestreiten: Der Reifen war für die gefahrene Geschwindigkeit nicht ausgelegt. Ergebnis: hohe Kürzung, möglicherweise Totalausfall der Vollkasko, Haftpflicht-Regress in voller Höhe, zusätzlich Erlöschen der Betriebserlaubnis.

Der Gebrauchtwagenfall. Ein Fahrer kauft einen Gebrauchtwagen, bemerkt nicht, dass die montierten Reifen schon stark abgenutzt sind. Einige Wochen später verursacht er einen Unfall. Juristisch ist hier die Pflicht des Halters zur regelmäßigen Fahrzeugkontrolle relevant. Auch als neuer Halter trägt er die Verantwortung für den Zustand des Fahrzeugs, das er im Straßenverkehr bewegt. Die Versicherung wird entsprechend auf grobe Fahrlässigkeit plädieren.

Was bei einem Unfall zu tun ist

Wenn es trotz aller Vorsicht zum Unfall kommt, entscheidet das Verhalten in den ersten Stunden über den späteren Verlauf der Schadensregulierung. Die erste und wichtigste Regel: Nicht den Unfallort verlassen, bevor die Polizei ihn freigibt. Unfallflucht verschärft die rechtliche Situation drastisch und führt in der Regel zu einem automatischen Haftpflicht-Regress in voller Höhe zusätzlich zu eventuellen strafrechtlichen Folgen.

Dokumentieren Sie alles, was dokumentierbar ist. Fotos von der Unfallstelle aus verschiedenen Winkeln, Nahaufnahmen der Reifen aller beteiligten Fahrzeuge, Fotos der Fahrbahnoberfläche, der umliegenden Straßenführung und der Witterung. Notieren Sie die genaue Uhrzeit, Zeugenkontakte und den Zustand der Fahrbahn, soweit es nachvollziehbar ist. Bei winterlichen Bedingungen kann ein Foto der Reifen mit sichtbarem Alpine-Symbol später entscheidend werden.

Rufen Sie die Polizei, auch wenn nur ein Blechschaden vorliegt und die Gegenseite nicht darauf besteht. Eine polizeiliche Aufnahme ist für spätere Versicherungsverfahren häufig die entscheidende Grundlage und schützt vor späteren Schutzbehauptungen der Gegenseite.

Informieren Sie Ihre Versicherung schnellstmöglich, aber äußern Sie sich nicht voreilig zur Schuldfrage. Jede Aussage in den ersten Stunden kann später gegen Sie verwendet werden. Seriöse Versicherer fragen nach den Fakten – nach der Rechtsbewertung fragt erst die Schadenabteilung, und hier sind Sie gut beraten, sich vor einer Stellungnahme mit einem Fachanwalt für Verkehrsrecht abzustimmen.

Erwägen Sie frühzeitig die Einschaltung eines Anwalts, insbesondere bei größeren Schadensummen. Wer eine Verkehrs-Rechtsschutzversicherung hat, kann die anwaltliche Vertretung in der Regel kostenfrei in Anspruch nehmen. Der Anwalt kann von Anfang an dafür sorgen, dass Ihre Rechte gewahrt werden und dass die Versicherung nicht übermäßig kürzt.

Prävention: Wie Sie Versicherungsprobleme von vornherein vermeiden

Die beste Strategie gegen Versicherungsprobleme ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Einige einfache Routinen senken das Risiko deutlich.

Wechseln Sie Ihre Reifen rechtzeitig auf die saisonal richtige Bereifung. Nicht auf den letzten Drücker, sondern mit Puffer zu kalkulatorischen Wetterumschwüngen. Wer im September den Werkstatttermin für Anfang Oktober vereinbart, liegt auf der sicheren Seite.

Prüfen Sie bei jedem Wechsel die Profiltiefe und das Alter Ihrer Reifen. Unter vier Millimetern bei Winterreifen und unter drei Millimetern bei Sommerreifen sollten Sie über einen Neukauf nachdenken, auch wenn die gesetzliche Grenze noch nicht erreicht ist. Die Differenz zu den Kosten einer abgelehnten Kaskoleistung im Schadensfall ist enorm.

Achten Sie beim Reifenkauf auf die Übereinstimmung mit Ihrer Zulassungsbescheinigung: Größe, Geschwindigkeitsindex, Lastindex. Bei Winterreifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex bringen Sie den Warnaufkleber gut sichtbar im Cockpit an. Dokumentieren Sie den Reifenkauf und die Montage, bewahren Sie Rechnungen auf – diese sind später im Versicherungsfall wertvolle Beweise.

Prüfen Sie Ihren Kaskovertrag auf die Verzichtsklausel zur groben Fahrlässigkeit. Falls sie nicht enthalten ist, lohnt bei der nächsten Vertragsverlängerung oder beim Wechsel zu einem anderen Anbieter die gezielte Frage danach. Der Aufpreis ist in den allermeisten Fällen vernachlässigbar, der Nutzen im Schadensfall potenziell enorm.

Lassen Sie Ihre Reifen regelmäßig in einer Fachwerkstatt prüfen. Eine dokumentierte Kontrolle durch einen Kfz-Meister ist im Streitfall ein starkes Argument gegen den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit. Sie zeigt, dass Sie Ihrer Sorgfaltspflicht als Halter nachgekommen sind, auch wenn später doch ein Problem auftaucht. In den REIFF-Filialen in Süddeutschland übernehmen Kfz-Meister diese Prüfungen inklusive Dokumentation, sodass Sie im Ernstfall belegen können, welche Maßnahmen Sie ergriffen haben.

Häufige Fragen zum Versicherungsschutz bei falschen Reifen

Zahlt die Versicherung bei einem Unfall mit Sommerreifen im Winter?

Die Kfz-Haftpflichtversicherung reguliert den Schaden beim Unfallgegner auch bei grober Fahrlässigkeit, kann aber Regressansprüche bis zu 5.000 Euro gegen Sie geltend machen. Die Kaskoversicherung kann ihre Leistung für den Schaden am eigenen Fahrzeug um 25 bis 100 Prozent kürzen, je nach Schwere des Verschuldens und Kausalität. In vielen Fällen bedeutet das einen finanziellen Verlust im fünfstelligen Bereich.
Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand die übliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maß verletzt und sich nicht so verhält, wie es jedem als selbstverständlich einleuchten müsste. Bei Reifenverstößen wird sie typischerweise angenommen, wenn bei offensichtlich winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen gefahren wird oder wenn die Profiltiefe deutlich unter den Empfehlungen liegt.
Seit der VVG-Reform 2008 gilt das Prinzip der Quotelung: Die Kürzung richtet sich nach der Schwere des Verschuldens. Bei Reifenverstößen bewegt sich die Kürzung typischerweise zwischen 25 und 100 Prozent. In besonders schwerwiegenden Fällen ist nach BGH-Rechtsprechung auch eine vollständige Leistungsverweigerung zulässig.
Das ist eine Vertragsklausel, mit der die Versicherung vertraglich darauf verzichtet, sich bei Schäden auf grobe Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers zu berufen. Sie führt dazu, dass die volle Leistung auch dann erbracht wird, wenn grobe Fahrlässigkeit vorliegt – allerdings meist mit Ausnahmen bei Alkohol und Drogen. Die Klausel ist je nach Versicherer zu moderaten Aufpreisen erhältlich und sollte bei jüngeren, wertvollen Fahrzeugen Standard sein.
Die Versicherung trägt die Beweislast. Sie muss nachweisen, dass der Versicherungsnehmer grob fahrlässig gehandelt hat und dass dieses Verhalten kausal zum Schaden beigetragen hat. Gerade der Kausalitätsnachweis ist bei Reifenverstößen oft der Angriffspunkt für eine erfolgreiche Verteidigung.
Im Regelfall bis zu 5.000 Euro Regress. Bei besonders schweren Verstößen können deutsche Gerichte höhere Regressforderungen zusprechen – das Oberlandesgericht Celle hat in einem Urteil 5.000 Euro plus 2.500 Euro wegen Unfallflucht zugestanden, mit der Bemerkung, dass bei Personenschäden weitere 2.500 Euro möglich gewesen wären.
Ja, das Landgericht Itzehoe hat in einem wichtigen Urteil entschieden, dass grobe Fahrlässigkeit auch dann vorliegen kann, wenn die gesetzliche Mindestprofiltiefe eingehalten ist, die Kombination aus Reifenzustand und Fahrweise aber als kapitaler Fehler einzustufen ist. Das gesetzliche Minimum ist ein Bußgeld-Kriterium, nicht zwangsläufig ein Versicherungskriterium.
Ja. Versicherer müssen ihre Entscheidung zur Kürzung begründen und die Quote nachvollziehbar darlegen. Bei Zweifeln lohnt sich die Prüfung durch einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Anwaltskosten meist ab. In vielen Fällen lassen sich Kürzungen reduzieren oder vollständig abwenden.
Unfallstelle nicht verlassen, Polizei rufen, alles fotografisch dokumentieren (Fahrbahn, Reifen, Umgebung, Witterung), Zeugenkontakte sichern, Versicherung zeitnah informieren ohne voreilige Schuldzuweisungen. Bei größeren Schäden frühzeitig einen Fachanwalt einschalten, idealerweise bevor Sie schriftlich Stellung nehmen.
Sie reduziert das Risiko erheblich. Wer seine Reifen regelmäßig in einer Fachwerkstatt prüfen und die Prüfung dokumentieren lässt, kann bei einem späteren Schadensfall nachweisen, dass er seiner Sorgfaltspflicht als Halter nachgekommen ist. Das ist ein starkes Argument gegen den Vorwurf grober Fahrlässigkeit.

Richtig bereift – Versicherungsschutz sichern

Im Schadenfall entscheidet die korrekte Bereifung. Wir prüfen Freigaben und Kennzeichnungen in Ihrer REIFF Niederlassung und montieren passende Pkw-Reifen im Werkstattservice.

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