Reifendruck richtig einstellen: Werte, Tabelle und häufige Fehler

Zuletzt aktualisiert am 25.08.2026

Der Reifendruck ist die am meisten unterschätzte Stellschraube am Auto: Er entscheidet über Bremsweg, Spritverbrauch und die Lebensdauer Ihrer Reifen. Schon 0,5 bar zu wenig verlängern den Bremsweg spürbar, erhöhen den Verbrauch und lassen die Reifenschultern vorzeitig verschleißen – und trotzdem fährt ein großer Teil aller Autos in Deutschland mit zu niedrigem Druck.

In diesem Artikel aus unserem Reifen-Ratgeber erfahren Sie, wo Sie den richtigen Wert für Ihr Fahrzeug finden, wie Sie den Reifendruck korrekt prüfen und welche typischen Fehler Sie vermeiden sollten.

Auf dieser Seite

Kurz & knapp

  • Den richtigen Reifendruck für Ihr Auto finden Sie im Tankdeckel, an der B-Säule (Türholm Fahrerseite) oder in der Betriebsanleitung – nicht am Reifen selbst.
  • Prüfen Sie den Druck alle zwei bis vier Wochen und vor jeder längeren Fahrt – immer am kalten Reifen.
  • Bei voller Beladung, Anhängerbetrieb oder langen Autobahnfahrten gilt der Volllast-Wert aus der Herstellertabelle.
  • Zu niedriger Druck = längerer Bremsweg, Mehrverbrauch und einseitiger Verschleiß; zu hoher Druck = weniger Grip und Verschleiß in der Laufflächenmitte.

Welcher Reifendruck ist der richtige für Ihr Auto?

Einen pauschal „richtigen“ Reifendruck gibt es nicht – der Wert hängt von Fahrzeug, Reifengröße und Beladung ab. Verbindlich ist immer die Angabe des Fahrzeugherstellers. Sie finden sie an drei Stellen:

  • Aufkleber im Tankdeckel oder an der Tank-/Ladeklappe
  • Aufkleber an der B-Säule (Türholm auf der Fahrerseite)
  • Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs

Die Tabelle des Herstellers unterscheidet meist nach Reifengröße sowie nach Teillast (1–3 Personen) und Volllast (voll besetzt plus Gepäck). Welche Reifengröße auf Ihrem Fahrzeug montiert ist, lesen Sie an der Reifenflanke ab – was die Angabe bedeutet, erklären wir im Artikel Was bedeutet 205/55 R16?.

Angegeben wird der Druck in Deutschland in bar, an manchen Tankstellen zusätzlich in psi (1 bar ≈ 14,5 psi) oder kPa (1 bar = 100 kPa).

Reifendruck-Tabelle: typische Richtwerte nach Fahrzeugklasse

Die folgenden Spannen dienen nur der groben Orientierung – maßgeblich ist immer die Herstellerangabe an Ihrem Fahrzeug:

Fahrzeugklasse
Teillast (ca.)
Volllast (ca.)
Kleinwagen
2,0–2,3 bar
2,3–2,6 bar
Kompakt-/Mittelklasse
2,2–2,5 bar
2,5–2,9 bar
SUV / Van
2,3–2,6 bar
2,6–3,0 bar
Transporter
3,0–4,0 bar
3,5–4,75 bar
Elektroauto
oft 2,5–3,0 bar
bis 3,2 bar

Elektroautos fahren wegen des höheren Fahrzeuggewichts häufig mit spürbar höheren Drücken – mehr dazu im Artikel Reifen für E-Autos.

Reifendruck richtig prüfen: So gehen Sie vor

  1. Kalt messen: Prüfen Sie den Druck möglichst vor Fahrtantritt oder nach maximal wenigen Kilometern Fahrt. Warme Reifen zeigen bis zu 0,3 bar mehr an – dieser Wert darf nicht abgelassen werden.
  2. Sollwert ablesen: Wert für Ihre Reifengröße und Beladung aus der Herstellertabelle nehmen.
  3. Messen und korrigieren: Ventilkappe abschrauben, Prüfgerät gerade aufsetzen, Druck anpassen. Lieber 0,1–0,2 bar über dem Sollwert als darunter.
  4. Alle vier Reifen + Reserverad: Auch das Reserverad bzw. Notrad verliert mit der Zeit Druck und braucht meist einen deutlich höheren Wert (oft über 4 bar, Angabe beachten).
  5. Ventilkappen aufschrauben: Sie schützen das Ventil vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Als Faustregel gilt: alle zwei bis vier Wochen prüfen, zusätzlich vor Urlaubsfahrten und nach jedem Radwechsel. Reifen verlieren auch ohne Beschädigung etwa 0,1 bar pro Monat.

Zu niedriger oder zu hoher Reifendruck: die Folgen

Zu niedriger Druck
Zu hoher Druck
Sicherheit
Längerer Bremsweg, schwammiges Lenkverhalten, Überhitzungsgefahr bis zum Reifenplatzer
Kleinere Aufstandsfläche, weniger Grip – besonders bei Nässe
Verschleiß
Beide Schultern laufen ab, Reifen altert schneller
Laufflächenmitte läuft ab
Kosten
Bis zu 0,3 l/100 km Mehrverbrauch schon bei 0,5 bar Minderdruck
Geringerer Komfort, ungleichmäßiger Verschleiß

Ungewöhnliche Verschleißbilder sind übrigens ein guter Frühwarnindikator: Läuft ein Reifen nur an einer Seite ab, kann auch die Achsgeometrie verstellt sein – das prüft die REIFF Meisterwerkstatt bei einer Achsvermessung. Wie viel Profil Ihre Reifen mindestens brauchen, lesen Sie im Artikel Mindestprofiltiefe bei Reifen.

Beladung, Anhänger, Autobahn: Wann mehr Druck nötig ist

Sobald Sie voll beladen in den Urlaub fahren, einen Anhänger ziehen oder eine Dachbox montieren, gilt der Volllast-Wert des Herstellers – je nach Fahrzeug 0,2 bis 0,5 bar mehr, oft nur an der Hinterachse. Stellen Sie den höheren Druck vor der Fahrt ein und reduzieren Sie ihn danach wieder auf den Normalwert.

Moderne Fahrzeuge überwachen den Druck automatisch per Reifendruckkontrollsystem. Wie direkte und indirekte Systeme funktionieren und was nach dem Radwechsel zu beachten ist, erklärt unser Artikel RDKS erklärt.

Praxis-Tipp

Nutzen Sie jeden Tankstopp für einen kurzen Druck-Check – das kostet zwei Minuten. Und wenn Sie ohnehin zum Radwechsel oder Service kommen: Bei REIFF werden Reifendruck und Profiltiefe im Rahmen jedes Reifenservices mit geprüft.

Häufige Fragen zum Reifendruck

Welcher Reifendruck ist bei 205/55 R16 richtig?

Dafür gibt es keinen Einheitswert: Der richtige Druck hängt vom Fahrzeug ab, nicht allein von der Reifengröße. Ein Kompaktwagen mit 205/55 R16 fährt typischerweise mit 2,2–2,5 bar, maßgeblich ist aber die Angabe im Tankdeckel oder an der B-Säule Ihres Autos.
Alle zwei bis vier Wochen sowie vor jeder längeren Fahrt. Reifen verlieren auf natürlichem Weg etwa 0,1 bar pro Monat – auch ohne Beschädigung. Nach einem Radwechsel und bei starkem Temperaturwechsel (Herbst/Frühjahr) sollten Sie ebenfalls prüfen.
Der Bremsweg wird länger, das Fahrverhalten schwammig, der Verbrauch steigt und die Reifenschultern verschleißen vorzeitig. Bei deutlichem Minderdruck kann sich der Reifen auf der Autobahn so stark erhitzen, dass er platzt.
Die Achslasten unterscheiden sich: Beim Fronttriebler trägt die Vorderachse Motor und Getriebe, bei voller Beladung steigt die Last auf der Hinterachse. Der Hersteller gibt deshalb pro Achse und Beladungszustand eigene Werte an – halten Sie sich genau daran.
Messen ja, ablassen nein. Warme Reifen zeigen bis zu 0,3 bar mehr an als kalte. Liegt der gemessene Wert am warmen Reifen um diese Toleranz über dem Sollwert, ist alles in Ordnung. Druck ablassen sollten Sie am warmen Reifen nie – sonst fahren Sie nach dem Abkühlen mit Minderdruck.

Quellen und Rechtsgrundlagen: § 36 StVZO – Bereifung und Laufflächen

Hinweis: Preisangaben sind marktübliche Richtwerte (Stand: August 2026) und können je nach Niederlassung, Fahrzeug und Radgröße abweichen. Maßgeblich sind stets die Angaben des Fahrzeugherstellers. Inhalt geprüft durch die KFZ-Meisterbetriebe von REIFF.

Reifen-Check gefällig?

Unsicher, ob Druck, Profil und Reifenzustand noch stimmen? Die REIFF Meisterwerkstatt prüft Ihre Reifen schnell und unkompliziert – an rund 30 Standorten in Süddeutschland.

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