Mindestprofiltiefe bei Reifen: Was das Gesetz fordert und was wirklich sicher ist

Die Profiltiefe Ihrer Reifen ist einer der wenigen sicherheitsrelevanten Werte, den Sie in unter einer Minute selbst prüfen können – und einer der wenigen, der im Schadensfall direkt über Haftung, Versicherungsleistung und im schlimmsten Fall über Menschenleben entscheidet. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe in Deutschland beträgt 1,6 Millimeter. Was viele Autofahrer nicht wissen: Dieser Wert ist ausdrücklich keine Sicherheitsempfehlung, sondern eine rechtliche Untergrenze. Sobald ein Reifen diesen Wert unterschreitet, gilt er als nicht mehr verkehrssicher. Experten wie der ADAC und der TÜV raten seit Jahren dazu, den Wechsel deutlich früher einzuplanen – bei Sommerreifen ab etwa drei Millimetern, bei Winter- und Ganzjahresreifen ab vier Millimetern.

Dieser Ratgeber erklärt, wo der gesetzliche Wert genau geregelt ist, warum die tatsächliche Sicherheitsgrenze viel höher liegt, wie Sie die Profiltiefe zuverlässig messen und welche Konsequenzen drohen, wenn Sie mit abgefahrenen Reifen unterwegs sind. Außerdem erfahren Sie, wie sich die Bremswege mit sinkendem Profil verändern und warum das Thema im Winter besonders kritisch wird.

Auf dieser Seite

Die rechtliche Grundlage: § 36 Absatz 2 StVZO

Die Vorschrift zur Mindestprofiltiefe findet sich in § 36 Absatz 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Dort heißt es sinngemäß, dass Luftreifen an Kraftfahrzeugen und Anhängern am gesamten Umfang und auf der kompletten Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder Einschnitten versehen sein müssen. Das sogenannte Hauptprofil muss dabei eine Tiefe von mindestens 1,6 Millimetern aufweisen. Als Hauptprofil gelten die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, die etwa drei Viertel der gesamten Laufflächenbreite einnehmen.

Diese Formulierung ist juristisch präzise, für den Alltag aber entscheidend: Gemessen wird nicht der gesamte Reifen, sondern der mittlere Bereich, in dem sich die tragenden Hauptrillen befinden. Verschleiß an den Reifenschultern oder an einzelnen schmaleren Nebenrillen ist zwar ein Warnsignal für andere Probleme wie Fehlstellungen oder falschen Reifendruck, rechtlich aber nicht unmittelbar relevant für die Beurteilung der Mindestprofiltiefe.

Die 1,6-Millimeter-Regel gilt in Deutschland einheitlich für Pkw, Lkw, Motorräder, Wohnmobile und Anhänger. Lediglich für Fahrräder mit Hilfsmotor, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder reicht eine Profiltiefe von einem Millimeter. Eine Unterscheidung zwischen Sommer- und Winterreifen existiert im deutschen Recht nicht – der gesetzliche Mindestwert ist in beiden Fällen identisch. Diese Gleichbehandlung gilt allerdings nur auf dem Papier: Fachlich und sicherheitstechnisch ist sie ein Anachronismus, wie spätestens der Blick auf die Empfehlungen des ADAC und des TÜV zeigt.

Warum 1,6 Millimeter im Alltag nicht ausreichen

Neue Pkw-Reifen verlassen das Werk mit einer Profiltiefe zwischen sieben und neun Millimetern, Hochleistungs-Winterreifen liegen teilweise sogar darüber. Bis zur gesetzlichen Mindestgrenze von 1,6 Millimetern verlieren sie also fünf bis acht Millimeter ihres ursprünglichen Profils – und mit jedem verlorenen Millimeter sinken Haftung, Bremsleistung und Aquaplaning-Sicherheit messbar ab.

Der ADAC hat in mehreren großangelegten Bremsweg-Tests nachgewiesen, wie drastisch sich der Bremsweg mit abnehmender Profiltiefe verändert. Auf nasser Fahrbahn kann sich der Bremsweg bei einem Reifen mit drei Millimeter Restprofil im Vergleich zu einem Neureifen um bis zu dreißig Prozent verlängern. Bei einem Reifen am gesetzlichen Limit von 1,6 Millimetern sind Werte von bis zu fünfzig Prozent längerem Bremsweg dokumentiert. Aus Tempo 80 bedeutet das einen Unterschied von mehreren Fahrzeuglängen – oft genug der Unterschied zwischen einem rechtzeitigen Halt vor einem Hindernis und einem Auffahrunfall.

Besonders kritisch wird es bei Aquaplaning. Das Profil eines Reifens hat die Aufgabe, das Wasser zwischen Gummi und Fahrbahn zu verdrängen. Je flacher das Profil, desto weniger Wasser kann es aufnehmen, und desto eher verliert der Reifen den Kontakt zur Straße. Laut ADAC ereignen sich die meisten Aquaplaning-Unfälle mit Reifen, deren Restprofil unter drei Millimetern liegt – also in einem Bereich, der gesetzlich noch völlig zulässig ist. Das ist der Kern des Missverständnisses: Die 1,6 Millimeter sind die Grenze, unterhalb derer das Fahren ausdrücklich verboten ist. Sie markieren nicht den Punkt, an dem der Reifen sicher ist, sondern den Punkt, an dem er rechtlich gerade noch toleriert wird.

Die Empfehlungen der Fachorganisationen

Der ADAC empfiehlt für Sommerreifen einen Wechsel spätestens bei drei Millimetern Profiltiefe. Für Winter- und Ganzjahresreifen liegt die Empfehlung bei vier Millimetern. Diese Werte sind nicht willkürlich gewählt, sondern basieren auf umfangreichen Testreihen: Bei Winterreifen lässt die Traktion auf Schnee und die Fähigkeit zur Wasserverdrängung auf Schneematsch bereits ab etwa vier Millimetern deutlich nach. Ein Winterreifen mit zwei Millimetern Restprofil ist auf winterlicher Fahrbahn kaum noch leistungsfähiger als ein Sommerreifen – und das, obwohl er rechtlich noch zulässig wäre.

Mindestprofiltiefe bei Reifen: Was das Gesetz fordert und was wirklich sicher ist

Der TÜV teilt diese Einschätzung und weist zusätzlich darauf hin, dass das weichere Gummi der Winterreifen mit zunehmendem Alter und abnehmendem Profil seine Kälteeigenschaften verliert. Wer einen Winterreifen mit drei Millimetern Restprofil in die vierte oder fünfte Saison schickt, fährt unter winterlichen Bedingungen mit einem Reifen, der seine eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. In einigen europäischen Nachbarländern ist diese Erkenntnis längst in Gesetze gegossen: In Österreich gelten Winter- oder Ganzjahresreifen mit weniger als vier Millimetern Profiltiefe rechtlich als Sommerreifen und erfüllen die dortige Winterreifenpflicht nicht mehr. Wer mit solchen Reifen in Österreich bei winterlichen Verhältnissen unterwegs ist, fährt rechtswidrig – auch dann, wenn die Reifen in Deutschland noch zulässig wären.

Eine vergleichbare Regel gilt in der Schweiz, wo bei winterlichen Bedingungen eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern empfohlen wird. Der extremste Wert in Europa findet sich in der Ukraine mit einer gesetzlichen Mindestprofiltiefe von sechs Millimetern bei Winterreifen. Viele Reifenhersteller orientieren ihr Profildesign deshalb an den strengsten europäischen Anforderungen, um ihre Produkte möglichst flächendeckend verkaufen zu können.

Wie Sie die Profiltiefe selbst messen

Die Profiltiefe lässt sich mit einfachen Mitteln prüfen, ohne Werkstattbesuch und in unter einer Minute. Die einfachste Methode ist der Ein-Euro-Münzen-Trick, den Automobilclubs seit Jahren empfehlen. Der goldene Rand einer Ein-Euro-Münze ist exakt drei Millimeter breit. Halten Sie die Münze hochkant in die Mitte einer der Hauptrillen des Reifens. Verschwindet der goldene Rand vollständig zwischen den Rillenwänden, liegt die Profiltiefe über drei Millimetern und damit für Sommerreifen im empfohlenen Bereich. Ist der goldene Rand sichtbar, sollten Sie über einen Wechsel nachdenken. Bei Winterreifen können Sie zusätzlich eine Zwei-Euro-Münze heranziehen: Deren silberner Rand ist vier Millimeter breit und markiert damit die empfohlene Mindesttiefe für wintertaugliche Reifen.

Präzisere Ergebnisse liefern Profiltiefenmesser, die es schon für unter zehn Euro im Fachhandel gibt. Diese kleinen Geräte werden wie ein Stift in die Hauptrille gestellt, und der genaue Millimeterwert lässt sich auf einer Skala oder einem Digitaldisplay ablesen. Für alle, die ihren Reifenzustand systematisch dokumentieren möchten – etwa vor und nach längeren Urlaubsfahrten oder zur saisonalen Kontrolle – ist die Anschaffung eines solchen Messgeräts eine sinnvolle Investition.

Eine dritte Möglichkeit liefert der Reifen selbst: Die sogenannten TWI-Indikatoren, ausgeschrieben Tread Wear Indicator, sind kleine erhabene Stege innerhalb der Hauptrillen. Sie sind exakt 1,6 Millimeter hoch und markieren damit die gesetzliche Untergrenze. Sobald die Lauffläche rundherum mit der Höhe dieser Indikatoren auf einer Ebene ist, hat der Reifen das Ende seiner gesetzlichen Nutzungsdauer erreicht. Ein Pfeil oder das Kürzel „TWI“ an der Reifenschulter zeigt, wo genau sich diese Indikatoren auf der Lauffläche befinden.

Worauf Sie beim Messen achten sollten

Ein einzelner Messpunkt reicht nicht aus. Die Profiltiefe kann sich innerhalb eines Reifens deutlich unterscheiden, und ein ungleichmäßiger Verschleiß ist selbst ein Warnsignal. Messen Sie deshalb an mehreren Stellen des Reifenumfangs und in allen Hauptrillen. Prüfen Sie außerdem alle vier Reifen einzeln – durch Lastverteilung, Achsgeometrie und Fahrweise verschleißen die Reifen einer Achse oft unterschiedlich schnell, und Vorder- und Hinterachse unterscheiden sich je nach Antriebsart zusätzlich deutlich.

Stellen Sie bei der Messung fest, dass ein Reifen einseitig verschlissen ist, deutet das auf ein Problem mit der Achsgeometrie oder dem Reifendruck hin. Einseitiger Verschleiß an der Innenseite oder Außenseite der Lauffläche verlangt nach einer Achsvermessung, unregelmäßige Abnutzungsmuster wie Sägezahnbildung oder punktueller Verschleiß können auf defekte Stoßdämpfer oder Unwuchten hindeuten. In solchen Fällen hilft kein neuer Reifensatz allein – die Ursache muss mit behoben werden, sonst ist der nächste Reifensatz genauso schnell hinüber.

Was droht bei zu geringer Profiltiefe

Wer bei einer Polizeikontrolle oder bei der Hauptuntersuchung mit einer Profiltiefe unter 1,6 Millimetern auffällt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Der Bußgeldkatalog sieht dafür gestaffelte Strafen vor, deren Höhe davon abhängt, ob zusätzlich andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder in einen Unfall verwickelt wurden.

Situation
Bußgeld
Punkt in Flensburg
Profiltiefe unter 1,6 mm (Grundtatbestand)
60 Euro
1 Punkt
Mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer
75 Euro
1 Punkt
Mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
90 Euro
1 Punkt
Mit Unfallfolge
120 Euro
1 Punkt

Die 60 Euro Grundbußgeld sind für die meisten Autofahrer verkraftbar. Der Punkt in Flensburg hingegen bleibt zwei Jahre im Fahreignungsregister und kann bei Fahranfängern in der Probezeit weitreichendere Konsequenzen haben, etwa die Verlängerung der Probezeit oder die Anordnung eines Aufbauseminars. Außerdem gilt: Die Regelung betrifft jeden einzelnen Reifen. Wenn bei einer Kontrolle drei Reifen das gesetzliche Minimum unterschreiten, kann das zu mehreren Bußgeldern addieren.

Ernsthafter als das Bußgeld ist die versicherungsrechtliche Dimension. Kommt es zu einem Unfall, der mit ausreichend profilierten Reifen vermeidbar gewesen wäre, kann die Versicherung das Fahren mit abgefahrenen Reifen als grobe Fahrlässigkeit werten. In der Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung bedeutet das eine anteilige oder im Extremfall vollständige Leistungskürzung für den Schaden am eigenen Fahrzeug. Die Haftpflichtversicherung zahlt zwar an den Unfallgegner, kann aber anschließend Regressansprüche gegen den Versicherungsnehmer geltend machen. In der Praxis führt das regelmäßig dazu, dass ein Schaden, der mit einem Reifenwechsel von wenigen hundert Euro vermeidbar gewesen wäre, am Ende tausende Euro aus der eigenen Tasche kostet.

Bei der Hauptuntersuchung durch TÜV oder DEKRA sind abgefahrene Reifen ein klassischer „erheblicher Mangel“, der zur Ablehnung der Plakettenerteilung führt. Das Fahrzeug muss nachgebessert und erneut vorgeführt werden – mit entsprechendem Zeit- und Kostenaufwand.

Profiltiefe im Saisonwechsel: Worauf Sie besonders achten sollten

Der ideale Zeitpunkt zur Kontrolle der Profiltiefe ist der saisonale Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst. Wer seine Reifen ohnehin umzieht – oder umziehen lässt – sollte diesen Moment nutzen, um Profil, Alter und Zustand genau zu prüfen. Besonders wichtig ist das im Herbst vor der Winterperiode: Ein Winterreifen mit nur noch drei Millimetern Restprofil kann rechtlich zwar noch gefahren werden, wird aber bei Schnee und Glätte schnell zum Risiko. Wer ernsthaft durch den Winter kommen will, sollte bei dieser Profiltiefe über einen Neukauf nachdenken und nicht erst warten, bis die Reifen am Ende der Saison ohnehin das gesetzliche Limit erreicht haben.

Beim Umstecken oder Neumontieren bietet sich außerdem die Gelegenheit, die Reifen gleichzeitig auf andere Verschleißbilder zu prüfen. Risse in der Flanke, Beulen, eingefahrene Fremdkörper oder ungleichmäßige Abnutzung sind Warnsignale, die beim Ein-Euro-Trick allein nicht auffallen. Ein Reifenfachhändler oder Kfz-Meister erkennt solche Probleme mit geübtem Blick und kann gezielt beurteilen, ob ein Reifen noch sicher ist oder nicht.

Eine Einschränkung der ausschließlichen Messung über die Profiltiefe betrifft das Alter der Reifen. Auch ein Reifen mit ausreichend Profil kann durch Materialermüdung seine Sicherheitseigenschaften eingebüßt haben. Nach etwa sechs bis acht Jahren beginnt das Gummi zu altern, nach zehn Jahren sollte ein Reifen unabhängig vom Profilzustand ersetzt werden. Wer seine Reifen wenig fährt und lange einlagert – klassisches Beispiel: Cabrio-Sommerreifen oder Saisonfahrzeuge – sollte deshalb zusätzlich zur Profiltiefe das Herstellungsdatum prüfen, das sich an der vierstelligen DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen lässt.

Profiltiefe bei gebrauchten Reifen

Beim Kauf eines Gebrauchtwagens oder beim Erwerb von gebrauchten Reifen lohnt sich ein besonders kritischer Blick. Händler dürfen Reifen auch dann noch verkaufen, wenn sie nur noch geringes Restprofil haben, solange sie die gesetzliche Mindestprofiltiefe überschreiten. Ein Reifen mit zwei Millimetern Restprofil kann also völlig legal im Handel angeboten werden – und landet im Zweifel auf einem Gebrauchtwagen, den der Käufer für fahrbereit hält. Lassen Sie sich deshalb vor einem Gebrauchtwagenkauf den Zustand aller vier Reifen zeigen, prüfen Sie Profiltiefe und DOT-Nummer, und kalkulieren Sie einen möglichen Reifenwechsel direkt in den Kaufpreis ein. Ein kompletter Reifensatz kann je nach Fahrzeug und Reifenklasse mehrere hundert bis weit über tausend Euro kosten – ein Posten, der in der Kaufverhandlung oft vergessen wird.

Beim Kauf einzelner gebrauchter Reifen – etwa für einen Zweitwagen oder ein Saisonfahrzeug – gilt die gleiche Sorgfalt. Achten Sie auf das Alter (maximal sechs Jahre bei Winterreifen, acht bei Sommerreifen), auf gleichmäßigen Verschleiß und auf die Übereinstimmung der Reifen untereinander. Vier Reifen aus unterschiedlichen Chargen, mit unterschiedlichem Profildesign oder stark unterschiedlicher Profiltiefe beeinflussen das Fahrverhalten negativ – selbst wenn jeder einzelne Reifen für sich genommen noch zulässig wäre.

Praktische Empfehlungen für den Alltag

Prüfen Sie Ihre Profiltiefe mindestens zweimal im Jahr, idealerweise beim saisonalen Reifenwechsel. Wer viel fährt, insbesondere auf Autobahnen, sollte die Kontrolle alle drei bis vier Monate wiederholen. Die Kontrolle ist mit einer Ein-Euro-Münze in wenigen Sekunden erledigt und kann vor der nächsten Urlaubsfahrt oder Geschäftsreise die Entscheidung zwischen rechtzeitigem Austausch und kurzfristigem Notkauf ausmachen.

Planen Sie den Reifenwechsel großzügig vor der kritischen Grenze ein. Wer Sommerreifen bei vier Millimetern austauscht und Winterreifen bei fünf Millimetern, fährt nicht nur sicherer, sondern vermeidet auch die typische Situation, dass ein neuer Reifensatz in der Haupt-Wechselsaison kurzfristig benötigt wird – genau dann, wenn Werkstätten überlastet sind und beliebte Reifengrößen knapp werden. Werkstatttermine sollten im Herbst bereits im September vereinbart werden, im Frühjahr nach Ostern.

Achten Sie beim Reifenwechsel außerdem auf die korrekte Auswuchtung und, falls das Fahrzeug über ein Reifendruckkontrollsystem verfügt, auf das Anlernen der Sensoren. Bei Fahrzeugen mit Allradantrieb oder sportlichen Fahrwerksabstimmungen empfiehlt sich zusätzlich eine Achsvermessung, sobald ungleichmäßiger Verschleiß erkennbar ist. Ein Reifensatz, der aufgrund einer Fehlstellung ungleichmäßig verschleißt, erreicht die gesetzliche Mindestprofiltiefe deutlich schneller – und das Geld für den vorzeitigen Neukauf hätten Sie sich mit einer einmaligen Achsvermessung sparen können.

Wer unsicher ist, ob die eigenen Reifen noch sicher sind, lässt sie in einer Fachwerkstatt begutachten. Die meisten Reifenhändler und Kfz-Werkstätten bieten die Kontrolle kostenlos an, inklusive einer fundierten Einschätzung zu Profil, Alter, Schäden und gegebenenfalls nötigen weiteren Arbeiten. In den REIFF-Filialen in Süddeutschland übernehmen Kfz-Meister diese Prüfung ebenso wie den fachgerechten Reifenwechsel, die Auswuchtung und die saisonale Einlagerung der abgenommenen Reifen.

Häufige Fragen zur Mindestprofiltiefe

Wie hoch ist die gesetzliche Mindestprofiltiefe in Deutschland?

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter und ist in § 36 Absatz 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung geregelt. Sie gilt für Pkw, Lkw, Motorräder, Wohnmobile und Anhänger gleichermaßen sowie für Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen. Gemessen wird im Hauptprofil, also in den breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche.
Der ADAC und der TÜV empfehlen für Sommerreifen einen Wechsel spätestens bei drei Millimetern Profiltiefe, für Winter- und Ganzjahresreifen bereits ab vier Millimetern. Diese Werte liegen deutlich über dem gesetzlichen Minimum, weil Haftung, Bremsweg und Aquaplaning-Sicherheit ab diesen Grenzen spürbar nachlassen.
Die einfachste Methode ist der Ein-Euro-Münzen-Test: Der goldene Rand der Münze ist drei Millimeter breit. Verschwindet er in der Hauptrille, liegt das Profil über drei Millimetern. Für präzisere Messungen eignen sich Profiltiefenmesser aus dem Fachhandel. Außerdem verfügt jeder Reifen über TWI-Indikatoren – kleine Stege in den Rillen, die 1,6 Millimeter hoch sind und die gesetzliche Untergrenze markieren.
Das Grundbußgeld beträgt 60 Euro und einen Punkt in Flensburg. Bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer steigt es auf 75 Euro, bei Gefährdung auf 90 Euro, bei einem Unfall auf 120 Euro. Kritischer als das Bußgeld sind mögliche Kürzungen der Kaskoversicherung bei einem Unfall, die zu einer vollständigen Ablehnung der Leistung führen können.
Ja. In Deutschland gilt die 1,6-Millimeter-Grenze gesetzlich für Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen gleichermaßen. In einigen Nachbarländern wie Österreich gibt es strengere Regelungen für Winter- und Ganzjahresreifen, dort gelten diese ab weniger als vier Millimetern Profiltiefe rechtlich als Sommerreifen und erfüllen die Winterreifenpflicht nicht mehr.
Mindestens zweimal jährlich, idealerweise beim saisonalen Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst. Vielfahrer sollten die Kontrolle alle drei bis vier Monate wiederholen. Vor längeren Urlaubsfahrten oder Geschäftsreisen ist ein zusätzlicher Check sinnvoll.
TWI steht für „Tread Wear Indicator“ und bezeichnet kleine erhabene Stege innerhalb der Hauptrillen, die exakt 1,6 Millimeter hoch sind. Wenn die Lauffläche rundherum mit diesen Stegen auf einer Ebene liegt, hat der Reifen das gesetzliche Minimum erreicht und muss ersetzt werden. Ein Pfeil oder die Buchstaben „TWI“ an der Reifenschulter markieren die Position.
Die Haftpflichtversicherung reguliert den Schaden beim Unfallgegner, kann aber Regressansprüche gegen den Versicherungsnehmer geltend machen. Die Kaskoversicherung kann ihre Leistung bei grober Fahrlässigkeit anteilig oder vollständig kürzen – und abgefahrene Reifen werden in der Rechtsprechung regelmäßig als grob fahrlässig eingestuft. Die finanziellen Folgen übersteigen die Kosten eines Reifenwechsels oft um ein Vielfaches.
Neue Pkw-Reifen haben in der Regel eine Profiltiefe zwischen sieben und neun Millimetern, hochwertige Winterreifen teilweise sogar darüber. Beim Reifenkauf – insbesondere bei Gebrauchtreifen – sollten Sie auf diesen Wert achten, da eine geringere Ausgangsprofiltiefe die tatsächliche Nutzungsdauer spürbar verkürzt.
Nein. Neben der Profiltiefe spielen auch das Alter, eventuelle Beschädigungen, ungleichmäßiger Verschleiß und die Gummimischung eine Rolle. Ein Reifen sollte unabhängig vom Profil nach spätestens zehn Jahren ersetzt werden, Winterreifen eher nach sechs bis acht Jahren. Das Produktionsdatum lässt sich an der vierstelligen DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen.

Profiltiefe kostenlos prüfen lassen

Profiltiefe im Grenzbereich? Wir messen in jeder REIFF Niederlassung nach und beraten Sie ehrlich, ob ein Wechsel nötig ist. Neue Pkw-Reifen montieren wir direkt im Werkstattservice.

Passend zum Thema

Weitere Beiträge aus unserem Reifen-Ratgeber.

EU-Reifenlabel verständlich erklärt

Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusch richtig lesen.

Wie lange halten Autoreifen?

Alter, Laufleistung und Lagerung als Einflussfaktoren.

Bußgeld bei falscher Bereifung

Verwarnung, Bußgeld und Punkte im Überblick.

Versicherungsschutz bei falschen Reifen

Wann grobe Fahrlässigkeit die Kaskoleistung kürzt.