EU-Reifenlabel verständlich erklärt: Alle Klassen, Symbole und was sie bedeuten

Zuletzt aktualisiert am 11.08.2026

Jeder Reifen, der seit 2012 in der Europäischen Union neu verkauft wird, trägt ein kleines Etikett, das auf den ersten Blick an das Energielabel von Waschmaschinen oder Kühlschränken erinnert. Farbige Balken von grün nach rot, Buchstaben von A bis E, Piktogramme mit Zapfsäule, Regenwolke und Lautsprecher. Was wie eine sperrige EU-Bürokratie wirkt, ist tatsächlich eines der nützlichsten Werkzeuge für den Reifenkauf: Das EU-Reifenlabel übersetzt die komplexe technische Leistung eines Reifens in drei Kernkriterien, die sich direkt vergleichen lassen. Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusch – drei Buchstaben, die pro Jahr mehrere hundert Liter Sprit, Zehntausende Euro Versicherungsleistung oder einfach ruhigere Autobahnfahrten bedeuten können.

Seit Mai 2021 gilt eine überarbeitete Version des Labels, die durch die EU-Verordnung 2020/740 eingeführt wurde und gegenüber der ursprünglichen Fassung von 2012 erheblich aussagekräftiger ist. Sie umfasst nicht mehr nur Pkw-Reifen, sondern auch Reifen für leichte und schwere Nutzfahrzeuge, ergänzt die klassischen Leistungsmerkmale um Wintereigenschaften und eröffnet mit einem QR-Code den direkten Zugriff auf die europäische Produktdatenbank EPREL. Dieser Ratgeber erklärt jedes Element des aktuellen Labels, ordnet die Klassen ein, zeigt ihre praktischen Konsequenzen für Verbrauch, Sicherheit und Komfort und geht auf die häufigen Missverständnisse bei Interpretation und Aussagekraft ein.

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Was das EU-Reifenlabel ist und wofür es da ist

Das EU-Reifenlabel wurde eingeführt, um Verbrauchern beim Reifenkauf eine standardisierte Orientierungshilfe zu geben. Vor seiner Einführung war der Reifenmarkt für Endkunden schwer zu durchschauen. Hersteller warben mit eigenen Testergebnissen, Magazintests kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, und selbst bei identischer Reifengröße ließen sich zwei konkurrierende Produkte kaum objektiv vergleichen. Das Label sollte diese Lücke schließen, indem es drei zentrale Leistungsmerkmale nach einheitlichen Messverfahren in eine einfache Skala übersetzt.

Die Grundlage ist heute die EU-Verordnung 2020/740, die zum 1. Mai 2021 die ursprüngliche Verordnung 1222/2009 abgelöst hat. Seither müssen alle Reifen der Klassen C1 (Pkw-Reifen), C2 (leichte Nutzfahrzeuge) und C3 (schwere Nutzfahrzeuge) mit dem aktualisierten Label gekennzeichnet sein. Händler sind verpflichtet, das Label im Verkaufsraum deutlich sichtbar auszustellen oder dem Kunden vor dem Kauf aktiv vorzulegen. Beim Online-Kauf muss das Label ebenfalls zugänglich gemacht werden, meist in der Produktbeschreibung.

Das Label ersetzt keine Beratung und keinen Reifentest, aber es bietet eine verlässliche Grundlage für erste Entscheidungen. Wer zwischen zwei Reifen mit ähnlichem Preis und identischer Größe wählen muss, findet auf dem Label sofort den entscheidenden Unterschied im Kraftstoffverbrauch, Bremsverhalten und Geräuschpegel.

Aufbau des aktuellen EU-Reifenlabels

Das Label seit Mai 2021 ist klar strukturiert und immer gleich aufgebaut. Oben stehen Herstellername, Typbezeichnung des Reifens, die Reifenklasse (C1, C2 oder C3) sowie ein QR-Code, der zum EPREL-Eintrag des Produkts führt. Im Hauptteil befinden sich drei farbig abgestufte Skalen mit den drei Kernkriterien: oben links die Kraftstoffeffizienz, oben rechts die Nasshaftung, unten links das externe Rollgeräusch. Bei Winter- und Ganzjahresreifen kommen unten rechts ein oder zwei Piktogramme hinzu: das Alpine-Symbol für Schneeeignung und, bei speziellen nordischen Reifen, ein Eis-Piktogramm.

Die drei Hauptskalen arbeiten mit Buchstabenklassen von A (beste Leistung) bis E (schlechteste Leistung), optisch verstärkt durch eine Farbkodierung von kräftigem Grün für A bis Rot für E. Diese Darstellung macht auf den ersten Blick erkennbar, wo ein Reifen stark oder schwach ist, ohne dass der Käufer Zahlenwerte interpretieren müsste.

Wichtig zu wissen: Das Label bewertet ausschließlich diese drei beziehungsweise fünf Kriterien. Viele andere Aspekte, die für die Gesamtleistung eines Reifens relevant sind – etwa Trockenbremsen, Kurvenhaftung, Aquaplaning-Verhalten, Laufleistung, Komfort und Abriebverhalten –, erscheinen nicht auf dem Label. Das ist keine Schwäche, sondern eine bewusste Designentscheidung: Die Verordnung beschränkt sich auf Kriterien, die sich standardisiert und objektiv messen lassen.

Kraftstoffeffizienz: Was die Klassen A bis E wirklich bedeuten

Die erste Skala auf dem Label bewertet die Kraftstoffeffizienz des Reifens. Sie wird durch ein Piktogramm mit Reifen und Zapfsäule dargestellt und basiert auf dem Rollwiderstand des Reifens – jener inneren Reibung, die ein Reifen beim Abrollen erzeugt und die das Fahrzeug überwinden muss. Je niedriger der Rollwiderstand, desto weniger Kraft ist nötig, um den Reifen zu bewegen, und desto weniger Kraftstoff verbraucht das Fahrzeug.

Die Messung erfolgt auf einem Trommelprüfstand bei 80 km/h und einer definierten Belastung. Das Ergebnis wird mit einem Referenzwert abgeglichen und den Klassen A bis E zugeordnet. Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Klassen liegt ein Verbrauchsunterschied von etwa 0,1 Liter pro 100 Kilometer. Über die komplette Skala von A bis E summiert sich das auf rund 0,4 bis 0,5 Liter pro 100 Kilometer – ein Unterschied, der auf die Lebensdauer eines Reifens gerechnet leicht mehrere hundert Liter Kraftstoff ausmacht.

Zur Veranschaulichung: Ein Fahrer, der jährlich 15.000 Kilometer fährt und von Klasse D auf Klasse A wechselt, spart etwa 45 bis 60 Liter Kraftstoff pro Jahr. Bei aktuellen Kraftstoffpreisen sind das rund 80 bis 120 Euro. Über die typische Nutzungsdauer eines Reifensatzes von vier bis fünf Jahren summiert sich das auf mehrere hundert Euro Ersparnis, die den Mehrpreis kraftstoffeffizienterer Reifen oft deutlich überkompensiert.

Reifen bringen übrigens etwa 20 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs eines Fahrzeugs mit – mehr als die meisten Autofahrer vermuten. Die Wahl der Kraftstoffeffizienzklasse hat damit einen direkten und messbaren Einfluss auf die laufenden Betriebskosten.

Hinweis zur Skalenänderung: Das aktuelle Label von 2021 wurde gegenüber der ursprünglichen Version strenger skaliert. Die frühere Klasse E entspricht etwa der heutigen Klasse D, die früheren Klassen F und G wurden zur heutigen Klasse E zusammengefasst. Wer Daten aus älteren Reifentests mit neuen Labels vergleicht, sollte diese Anpassung berücksichtigen.

Nasshaftung: Sicherheit beim Bremsen auf nasser Fahrbahn

Nasshaftung: Sicherheit beim Bremsen auf nasser Fahrbahn

Die zweite Skala bewertet die Nasshaftung und wird durch ein Piktogramm mit Reifen, Regenwolke und Wassertropfen dargestellt. Sie misst, wie gut ein Reifen auf nasser Fahrbahn bremst. Getestet wird unter standardisierten Bedingungen auf einer bewässerten Strecke, der Bremsweg wird mit dem eines Referenzreifens verglichen und in die Klassen A bis E eingeteilt.

Die Unterschiede sind physikalisch erheblich. Ein Reifen der Klasse A kann bei einer Vollbremsung aus 80 km/h auf nasser Fahrbahn einen bis zu 18 Meter kürzeren Bremsweg erzielen als ein Reifen der Klasse E – bei sonst identischen Bedingungen. 18 Meter entsprechen etwa vier Fahrzeuglängen. Das kann der Unterschied zwischen einem kontrollierten Halt und einer Kollision mit einem Fußgänger, einem vorausfahrenden Fahrzeug oder einem Baum sein.

Dieser Zusammenhang macht die Nasshaftung zum sicherheitsrelevantesten Kriterium auf dem Label. Für die meisten Autofahrer ist sie wichtiger als die Kraftstoffeffizienz. Während beim Verbrauch einige zusätzliche Liter pro Jahr ein überschaubares finanzielles Risiko darstellen, entscheidet die Nasshaftung im Ernstfall über Unfall oder Unfallvermeidung. Reifenhersteller und Fachmagazine empfehlen fast einhellig, bei der Nasshaftung nicht unter Klasse B zu gehen, in Regionen mit viel Regen möglichst Klasse A.

Messtechnisch basiert die Klassifizierung auf dem sogenannten Nasshaftungskoeffizienten G. Dabei wird der Haftungswert zwischen Reifen und Fahrbahn auf der bewässerten Teststrecke ermittelt und mit dem Wert eines standardisierten Referenzreifens (Standard Reference Test Tyre, SRTT) verglichen. Je höher der Koeffizient, desto besser die Klassifizierung.

Externes Rollgeräusch: Komfort und Umweltbelastung

Die dritte Skala bewertet das externe Rollgeräusch. Sie wird durch ein Piktogramm mit Lautsprecher dargestellt und informiert darüber, wie laut ein Reifen während der Fahrt nach außen hin ist. Gemessen wird das Geräusch in Dezibel (dB) in einem standardisierten Vorbeifahrt-Test.

Die Klassifizierung erfolgt in drei Stufen: A, B und C. Klasse A bedeutet, dass der Reifen den bis 2016 geltenden EU-Grenzwert um mehr als drei Dezibel unterschreitet, Klasse B bedeutet eine Unterschreitung um bis zu drei Dezibel oder eine Einhaltung auf dem Grenzwert, Klasse C bedeutet eine Überschreitung – wobei diese Klasse in der Praxis inzwischen kaum noch vorkommt, weil die EU-Grenzwerte schrittweise verschärft wurden.

Die Dezibel-Werte lassen sich nicht linear interpretieren, weil es sich um eine logarithmische Skala handelt. Drei Dezibel Unterschied entsprechen grob einer Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Schallintensität. Das externe Rollgeräusch beeinflusst vor allem die Lärmbelastung der Umgebung – Anwohner an viel befahrenen Straßen profitieren spürbar von Reifen mit Klasse A. Das Innengeräusch im Fahrzeug korreliert allerdings nicht zwingend mit dem externen Geräusch. Moderne Fahrzeuge haben oft eine so gute Geräuschdämmung, dass der Unterschied zwischen verschiedenen Reifenklassen am Steuer kaum wahrnehmbar ist.

In der Praxis ist das Rollgeräusch meist nicht das entscheidende Kriterium, sondern ein Zusatzfaktor bei sonst gleichwertigen Reifen. Wer zwei Reifen mit identischer Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung vor sich hat, sollte den leiseren wählen – schon aus Rücksicht auf die Anwohner seiner Fahrstrecke.

Das Alpine-Symbol und das Eis-Piktogramm

Das Alpine-Symbol und das Eis-Piktogramm

Seit der Überarbeitung des Labels 2021 enthält es optional zwei zusätzliche Piktogramme im unteren rechten Bereich. Das erste ist das bekannte Alpine-Symbol, auch 3PMSF-Symbol genannt: ein Piktogramm aus drei Berggipfeln mit einer Schneeflocke. Es erscheint auf dem Label nur dann, wenn der Reifen die strengen Schneekriterien der UN/ECE-Regelung Nr. 117 erfüllt und damit rechtlich als Winterreifen anerkannt ist. Das entsprechende Symbol auf der Reifenflanke und auf dem Label stimmen dabei überein – sie gehören zusammen und sind nicht getrennt zu erwerben.

Für Käufer in Deutschland ist das Alpine-Symbol auf dem Label seit Oktober 2024 von zentraler Bedeutung. Nur Reifen mit diesem Symbol erfüllen die situative Winterreifenpflicht. Wer einen Reifen online bestellen möchte, kann über das Label und den EPREL-QR-Code vorab prüfen, ob das Symbol vorhanden ist, und muss sich nicht auf die Herstellerbeschreibung verlassen.

Das zweite Piktogramm ist das Eis-Symbol, das einen stilisierten Eisstalagmiten zeigt. Es wird nur für bestimmte C1-Pkw-Reifen vergeben, die die Anforderungen der Norm ISO 19447 an den Ice Grip Index erfüllen. Diese sogenannten nordischen Winterreifen sind mit speziellen, besonders weichen Gummimischungen ausgestattet und für den Einsatz auf vereisten Straßen in Nordeuropa entwickelt. In Mitteleuropa, wo Eis auf der Fahrbahn zwar vorkommt, aber selten das vorherrschende Szenario ist, sind sie meist überdimensioniert. Für Fahrer, die regelmäßig in Skandinavien oder in Hochgebirgsregionen unterwegs sind, können sie dagegen einen spürbaren Sicherheitsgewinn bedeuten.

Beide Symbole erscheinen nur, wenn sie tatsächlich erreicht werden. Das Fehlen des Alpine-Symbols auf einem Reifenlabel bedeutet: Der Reifen ist kein zugelassener Winterreifen. Das Fehlen des Eis-Symbols bedeutet lediglich, dass der Reifen nicht speziell für Eisbedingungen zertifiziert ist – was bei den meisten Winterreifen für Mitteleuropa normal und ausreichend ist.

Der QR-Code und die EPREL-Datenbank

Eine der wichtigsten Neuerungen des überarbeiteten Labels von 2021 ist der QR-Code im oberen rechten Bereich. Er führt direkt zum Eintrag des Reifens in der Europäischen Produktdatenbank für Energiekennzeichnung, kurz EPREL. Dort sind alle technischen Daten zentral hinterlegt, einschließlich der exakten Messwerte, die der Klassifizierung zugrunde liegen.

Für Verbraucher öffnet das einige Möglichkeiten. Erstens lassen sich so die Herstellerangaben objektiv verifizieren – wenn ein Händler einen Reifen mit bestimmten Label-Werten bewirbt, können Sie diese über den QR-Code prüfen. Zweitens enthält der EPREL-Eintrag oft zusätzliche Informationen, die auf dem gedruckten Label keinen Platz hatten, etwa detaillierte Produktdatenblätter. Drittens ist EPREL eine zuverlässige Datenquelle für Vergleiche: Statt sich auf Werbeversprechen zu verlassen, können Sie die offiziellen Werte verschiedener Reifen direkt nebeneinanderlegen.

Das Register ist öffentlich zugänglich unter eprel.ec.europa.eu und deckt nicht nur Reifen ab, sondern alle energiekennzeichnungspflichtigen Produkte in der EU. Für den Reifenkauf ist es ein unterschätztes Werkzeug, das objektive Daten liefert, wo sonst Marketingsprache dominiert.

Grenzen und Kritik am EU-Reifenlabel

So nützlich das Label ist, so klar sind auch seine Grenzen, auf die Verbraucherschützer regelmäßig hinweisen.

Erstens erfasst das Label nur drei Leistungsmerkmale. Wichtige Aspekte wie das Bremsverhalten auf trockener Fahrbahn, die Kurvenhaftung, das Aquaplaning-Verhalten, die Lebensdauer, der Abrieb oder die Winterleistung bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt bleiben unberücksichtigt. Goodyear gibt an, in seinen internen Tests über fünfzig Kriterien zu analysieren, unabhängige Magazintests prüfen im Schnitt fünfzehn – das Label beschränkt sich auf drei bis fünf. Für eine fundierte Kaufentscheidung sollten deshalb immer auch aktuelle Magazintests und Fachberatung hinzugezogen werden.

Zweitens werden die Tests von den Herstellern selbst durchgeführt, nicht von unabhängigen Behörden. Die Messverfahren sind zwar standardisiert, aber die Durchführung liegt in der Verantwortung der Hersteller. Das kann in Grenzfällen zu unterschiedlichen Einstufungen führen, wenn ein Reifen zwischen zwei Klassen liegt. Die Marktüberwachung durch die EU-Mitgliedstaaten soll Missbrauch verhindern, ist in der Praxis aber begrenzt.

Drittens unterscheidet das Label nicht zwischen Sommerreifen und Winterreifen. Ein Sommerreifen der Klasse A in der Nasshaftung und ein Winterreifen der Klasse A beziehen sich auf die gleiche Testmethode, aber die konstruktiven Unterschiede zwischen den Reifentypen lassen die absoluten Leistungen kaum direkt vergleichen. Winterreifen werden auf trockener nasser Fahrbahn gemessen, aber ihre eigentliche Stärke – die Leistung auf Schnee – erscheint auf dem Label nur in Form des Alpine-Symbols, nicht als quantifizierbare Klassifizierung.

Viertens sagt das Label nichts über die Lebensdauer des Reifens aus. Ein kraftstoffeffizienter A-Reifen mit kurzer Laufleistung kann wirtschaftlich schlechter sein als ein C-Reifen mit hoher Kilometerleistung, weil der Austauschbedarf die Spritersparnis überkompensiert.

Diese Einschränkungen bedeuten nicht, dass das Label nutzlos wäre – im Gegenteil, es ist eine wertvolle erste Orientierung. Aber es sollte als Startpunkt verstanden werden, nicht als abschließende Entscheidungsgrundlage.

Wie Sie das Label praktisch nutzen

Für die meisten Käufer lohnt ein zweistufiger Ansatz. In der ersten Stufe grenzen Sie die Auswahl anhand des Labels ein: Legen Sie Mindestanforderungen für Kraftstoffeffizienz (typischerweise mindestens Klasse C) und Nasshaftung (mindestens Klasse B, besser A) fest, und schließen Sie Reifen aus, die diese Werte nicht erreichen. In der zweiten Stufe vergleichen Sie die verbleibenden Kandidaten anhand aktueller Fachtests, Herstellerreputation und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Für Vielfahrer über 20.000 Kilometer pro Jahr rechtfertigt die Kraftstoffeffizienz oft einen höheren Kaufpreis. Die Ersparnis über mehrere Jahre kompensiert den Mehrpreis für A-Klasse-Reifen meist deutlich.

Für Fahrer in regenreichen Regionen oder mit hohem Sicherheitsanspruch ist die Nasshaftung das zentrale Kriterium. Der Unterschied zwischen Klasse A und Klasse C oder D beim Bremsweg ist physikalisch dramatisch und im Alltag jederzeit abrufbar.

Für Anwohner viel befahrener Straßen und für Nachtfahrten ist das Rollgeräusch ein relevantes Komfortkriterium. Der Unterschied zwischen Klasse A und Klasse B ist messbar, der Unterschied zwischen A und C deutlich hörbar.

Bei Winter- oder Ganzjahresreifen achten Sie immer auf das Alpine-Symbol am Label. Ohne dieses Symbol erfüllt der Reifen die deutsche Winterreifenpflicht nicht, unabhängig davon, wie er vermarktet wird. Das Eis-Piktogramm ist ein Bonus für Skandinavien-Fahrer, für Mitteleuropa in der Regel nicht erforderlich.

Beim Reifenkauf im Fachhandel bietet es sich an, das Label als Ausgangspunkt für das Beratungsgespräch zu nutzen. Ein seriöser Reifenhändler kann Ihnen erklären, wo die Labelwerte in Ihrer konkreten Fahrsituation relevant sind und welche weiteren Kriterien Sie berücksichtigen sollten. In den REIFF-Filialen in Süddeutschland helfen die Kfz-Meister dabei, die Labeldaten in den Kontext Ihres Fahrzeugs, Fahrprofils und Einsatzgebiets einzuordnen – und zeigen bei Bedarf auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Herstellern in den nicht auf dem Label erfassten Leistungsmerkmalen.

Was sich für Lkw- und Nutzfahrzeugreifen geändert hat

Die Ausweitung des Labels auf C2- und C3-Reifen, also Reifen für leichte und schwere Nutzfahrzeuge, war eine der wichtigsten Änderungen der Reform von 2021. Bis dahin galt das Label nur für Pkw-Reifen (C1). Flottenmanager, Spediteure und Gewerbekunden müssen seither die gleichen Informationen für ihre Reifenentscheidungen nutzen können wie Privatkunden.

Die Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen. Bei Lkw-Flotten, die hunderttausende Kilometer pro Jahr fahren, summiert sich eine Klasse bessere Kraftstoffeffizienz schnell zu vier- oder fünfstelligen Jahresersparnissen pro Fahrzeug. Für Spediteure ist das Reifenlabel damit auch ein betriebswirtschaftliches Planungsinstrument. Die Wintertauglichkeit auf Lkw-Ebene – insbesondere für Routen durch die Alpen oder in skandinavische Länder – wird über dieselben Piktogramme kommuniziert, allerdings mit teilweise strengeren gesetzlichen Vorgaben in den einzelnen Ländern.

Häufige Fragen zum EU-Reifenlabel

Welche Informationen enthält das EU-Reifenlabel?

Das EU-Reifenlabel enthält drei Kernkriterien: Kraftstoffeffizienz (Klassen A bis E), Nasshaftung (Klassen A bis E) und externes Rollgeräusch (Klassen A bis C plus Dezibel-Angabe). Bei Winter- und Ganzjahresreifen können zusätzlich das Alpine-Symbol für Schneeeignung und ein Eis-Piktogramm für nordische Winterreifen erscheinen. Ein QR-Code führt zum EPREL-Eintrag mit weiteren technischen Daten.
Die erste Version wurde am 1. November 2012 verpflichtend eingeführt. Am 1. Mai 2021 trat die überarbeitete Version auf Basis der Verordnung 2020/740 in Kraft. Sie gilt für alle Reifen, die ab diesem Datum produziert wurden, und umfasst neben Pkw-Reifen nun auch Reifen für leichte und schwere Nutzfahrzeuge.
Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Klassen liegt ein Verbrauchsunterschied von etwa 0,1 Liter pro 100 Kilometer. Von Klasse E bis Klasse A ergeben sich damit rund 0,4 bis 0,5 Liter Unterschied pro 100 Kilometer. Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung sind das etwa 45 bis 60 Liter Kraftstoff pro Jahr.
Zwischen Klasse A und Klasse E liegt ein Unterschied von bis zu 18 Metern im Bremsweg bei einer Vollbremsung aus 80 km/h auf nasser Fahrbahn. Das entspricht etwa vier Fahrzeuglängen und kann den Unterschied zwischen einem kontrollierten Halt und einer Kollision bedeuten.
Das Alpine-Symbol, auch 3PMSF-Symbol genannt, kennzeichnet Reifen, die ein standardisiertes Prüfverfahren nach UN/ECE-Regelung Nr. 117 bestanden haben und rechtlich als Winterreifen anerkannt sind. In Deutschland ist es seit Oktober 2024 die einzige gültige Winterkennzeichnung.
Der QR-Code führt zum Eintrag des Reifens in der Europäischen Produktdatenbank EPREL. Dort finden sich alle technischen Daten und offiziellen Messwerte des Reifens. Das ermöglicht eine objektive Verifizierung der Herstellerangaben und den direkten Vergleich verschiedener Reifen.
Das Label erfasst nur drei bis fünf Leistungsmerkmale. Nicht abgebildet werden: Bremsverhalten auf trockener Fahrbahn, Kurvenhaftung, Aquaplaning, Lebensdauer, Abrieb und viele weitere Faktoren. Für eine umfassende Reifenbewertung sollten immer auch Fachmagazin-Tests und Händlerberatung hinzugezogen werden.
Das Grundlayout ist einheitlich, die Bewertungsskalen sind identisch. Unterschiede gibt es bei der Reifenklasse (C1 für Pkw, C2 für leichte Nutzfahrzeuge, C3 für schwere Nutzfahrzeuge) und bei den optionalen Winterpiktogrammen, die nur bei entsprechend zertifizierten Reifen erscheinen.
Reifen, die vor dem 1. Mai 2021 produziert wurden, tragen noch das alte Label nach der Verordnung 1222/2009. Diese Reifen dürfen weiterhin verkauft und gefahren werden. Die Klassenbezeichnungen lassen sich nur eingeschränkt mit den neuen Klassen vergleichen, weil die Skalen im Zuge der Reform teilweise neu justiert wurden.
Empfohlene Mindestwerte: Kraftstoffeffizienz Klasse C oder besser, Nasshaftung Klasse B oder besser, externes Rollgeräusch Klasse B. Bei Winterreifen sollte das Alpine-Symbol zwingend vorhanden sein. Für spezifische Anforderungen – etwa Vielfahrer, Regionen mit besonders viel Regen oder hohe Anforderungen an Komfort – können strengere Kriterien sinnvoll sein.

Quellen und Rechtsgrundlagen: Verordnung (EU) 2020/740 – Reifenkennzeichnung

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